Sex trotz Behinderung
Menschen mit schweren Behinderungen wird oft ein Sexualleben abgesprochen. Zu Unrecht. Wie können Mitarbeiter von Wohnheimen und Eltern von jugendlichen oder erwachsenen Menschen mit Behinderungen mit dem Thema umgehen? Unsere Leserfrage
Elisabeth S. aus Berlin: Mein Sohn ist fast fünfzig und seit einem Unfall mehrfach schwerbehindert. Er lebt jetzt in einer Einrichtung und ich beobachte, dass er die Sexualität vermisst und das auch deutlich macht. Was kann ich tun? Welche Möglichkeiten gibt es überhaupt?
Monika Herrmann: Es sind oft die Betreuer, aber auch Eltern, die Menschen mit einer Behinderung keine Sexualität zugestehen. Andere Probleme stehen im Vordergrund: Die richtige Pflege, die Unterbringung oder die Sozialleistungen. Und außerdem ist der Umgang damit ein heikles Thema, das nicht so leicht anzusprechen ist. Und doch: »Sexualität«, sagt Barbara Orthland, »gehört zu jedem Menschen und begleitet ihn ein Leben lang«. Die Professorin für heilpädagogische Methodik an der Universität Münster meint, dass Menschen mit Behinderungen ihre Sexualität aber tatsächlich oft anders verstehen und praktizieren, als nicht behinderte Menschen. Gründe sind körperliche und geistige Einschränkungen. Doch auf das körperliche Zusammensein mit einem Mann oder einer Frau wollen sie nicht verzichten.
Im Idealfall gelingt eine Partnerschaft zwischen zwei behinderten Menschen, die sich Nähe, Wärme und gegenseitige Unterstützung geben können. Doch was ist, wenn die Behinderung so schwer ist, dass Sexualität nicht ohne fremde Hilfe gelebt werden kann?
Männer haben andere Wünsche als Frauen
Wichtig: Wenn Menschen aufgrund ihrer Behinderung nicht in der Lage sind, sich selbst zu befriedigen, sollte es jemanden geben, der ihnen zeigt, wie das geht, trotz aller Einschränkungen. Das sagt die Sexualassistentin Nina de Vries. Die Holländerin hat es sich zur Aufgabe gemacht, Mitarbeiterinnen und Betreuer in Heimen und Wohnstätten auf das Problem Lust mit Handicap aufmerksam zu machen und sie in dieser Frage fortzubilden.
Nina de Vries sagt, es müsse möglich sein, Menschen mit Behinderungen - wenn es ihr Wunsch ist - auch mal ins Bordell zu begleiten. Männer hätten andere sexuelle Wünsche als Frauen, hat sie erfahren. Aber auch der Kontakt zu Call-Boys sollte möglich sein. Nina de Vries hilft vor allem in der Region Berlin-Brandenburg Eltern, Betreuern und Betroffenen bei der Realisierung all dieser Fragen.
Sexualassistentinnen arbeiten für Einrichtungen
Sie bietet keinen Geschlechtsverkehr an und versteht sich nicht als Prostituierte. »Ich schaffe eine entspannte Atmosphäre, die für die Menschen wohltuend ist. Dazu gehören Kerzen, Räucherstäbchen und Musik. Ich verstehe mich als Dienstleisterin, die keine Vorgaben macht, sondern sozusagen die Wünsche der behinderten Menschen erspürt.«
Nina de Vries hat in zwischen viele Kollegen und Kolleginnen, die als Sexualassistentinnen und Assistenten von Einrichtungen, aber auch von besorgten Eltern »gebucht« werden. Auch das Berliner Stephanus-Stift, in dem traditionell Menschen mit schweren Behinderungen ihr Zuhause haben, profitiert von der Sexualassistenz. Dort gibt es eine Liste mit festen Kontaktpersonen, die angerufen werden, wenn ein Bewohner den Wunsch nach Sex äußert. Wer solche Begegnungen lieber außerhalb der Einrichtung will, der wird auch ins Bordell begleitet.
Große Nachfrage
Ähnlich funktioniert es in der evangelischen Stiftung Alsterdorf am Rand von Hamburg. Der Psychologe Bernd Zemella bietet dort seit vielen Jahren eine Sexualberatung für geistig behinderte Bewohner an. Die Nachfrage nach Sexualassistenz ist riesig und gehört inzwischen zum Betreuungsangebot.
Wenn Eltern für ihre schwerbehinderten erwachsenen Söhne und Töchter, die sie zu Hause betreuen, etwas tun wollen, stehen stationäre Einrichtungen meistens mit Rat und Tat und Telefonnummern zur Seite.
Weitere Informationen:
Handiycap-love ist eine Single-Börse für Menschen mit Behinderungen
Menschen mit schweren Behinderungen wird oft ein Sexualleben abgesprochen. Zu Unrecht. Wie können Mitarbeiter von Wohnheimen und Eltern von jugendlichen oder erwachsenen Menschen mit Behinderungen mit dem Thema umgehen? Unsere Leserfrage
Elisabeth S. aus Berlin: Mein Sohn ist fast fünfzig und seit einem Unfall mehrfach schwerbehindert. Er lebt jetzt in einer Einrichtung und ich beobachte, dass er die Sexualität vermisst und das auch deutlich macht. Was kann ich tun? Welche Möglichkeiten gibt es überhaupt?
Monika Herrmann: Es sind oft die Betreuer, aber auch Eltern, die Menschen mit einer Behinderung keine Sexualität zugestehen. Andere Probleme stehen im Vordergrund: Die richtige Pflege, die Unterbringung oder die Sozialleistungen. Und außerdem ist der Umgang damit ein heikles Thema, das nicht so leicht anzusprechen ist. Und doch: »Sexualität«, sagt Barbara Orthland, »gehört zu jedem Menschen und begleitet ihn ein Leben lang«. Die Professorin für heilpädagogische Methodik an der Universität Münster meint, dass Menschen mit Behinderungen ihre Sexualität aber tatsächlich oft anders verstehen und praktizieren, als nicht behinderte Menschen. Gründe sind körperliche und geistige Einschränkungen. Doch auf das körperliche Zusammensein mit einem Mann oder einer Frau wollen sie nicht verzichten.
Im Idealfall gelingt eine Partnerschaft zwischen zwei behinderten Menschen, die sich Nähe, Wärme und gegenseitige Unterstützung geben können. Doch was ist, wenn die Behinderung so schwer ist, dass Sexualität nicht ohne fremde Hilfe gelebt werden kann?
Männer haben andere Wünsche als Frauen
Wichtig: Wenn Menschen aufgrund ihrer Behinderung nicht in der Lage sind, sich selbst zu befriedigen, sollte es jemanden geben, der ihnen zeigt, wie das geht, trotz aller Einschränkungen. Das sagt die Sexualassistentin Nina de Vries[1] . Die Holländerin hat es sich zur Aufgabe gemacht, Mitarbeiterinnen und Betreuer in Heimen und Wohnstätten auf das Problem Lust mit Handicap aufmerksam zu machen und sie in dieser Frage fortzubilden.
Nina de Vries sagt, es müsse möglich sein, Menschen mit Behinderungen - wenn es ihr Wunsch ist - auch mal ins Bordell zu begleiten. Männer hätten andere sexuelle Wünsche als Frauen, hat sie erfahren. Aber auch der Kontakt zu Call-Boys sollte möglich sein. Nina de Vries hilft vor allem in der Region Berlin-Brandenburg Eltern, Betreuern und Betroffenen bei der Realisierung all dieser Fragen.
Sexualassistentinnen arbeiten für Einrichtungen
Sie bietet keinen Geschlechtsverkehr an und versteht sich nicht als Prostituierte. »Ich schaffe eine entspannte Atmosphäre, die für die Menschen wohltuend ist. Dazu gehören Kerzen, Räucherstäbchen und Musik. Ich verstehe mich als Dienstleisterin, die keine Vorgaben macht, sondern sozusagen die Wünsche der behinderten Menschen erspürt.«
Nina de Vries hat in zwischen viele Kollegen und Kolleginnen, die als Sexualassistentinnen und Assistenten von Einrichtungen, aber auch von besorgten Eltern »gebucht« werden. Auch das Berliner Stephanus-Stift, in dem traditionell Menschen mit schweren Behinderungen ihr Zuhause haben, profitiert von der Sexualassistenz. Dort gibt es eine Liste mit festen Kontaktpersonen, die angerufen werden, wenn ein Bewohner den Wunsch nach Sex äußert. Wer solche Begegnungen lieber außerhalb der Einrichtung will, der wird auch ins Bordell begleitet.
Große Nachfrage
Ähnlich funktioniert es in der evangelischen Stiftung Alsterdorf am Rand von Hamburg. Der Psychologe Bernd Zemella bietet dort seit vielen Jahren eine Sexualberatung für geistig behinderte Bewohner an. Die Nachfrage nach Sexualassistenz ist riesig und gehört inzwischen zum Betreuungsangebot.
Wenn Eltern für ihre schwerbehinderten erwachsenen Söhne und Töchter, die sie zu Hause betreuen, etwas tun wollen, stehen stationäre Einrichtungen meistens mit Rat und Tat und Telefonnummern zur Seite.
Weitere Informationen:
Handiycap-love ist eine Single-Börse[2] für Menschen mit Behinderungen
Die Bundesvereinigung Lebenshilfe bietet das Buch »Sexualität und Beziehungen[3] bei Menschen mit einer geistigen Behinderung« an.
Die Seite Familienratgeber.de[4] bietet Informationen für Menschen mit Behinderungen und ihre Familien
Das Beratungszentrum Alsterdorf[5] rät auch bei Fragen zur Sexualität


Zweitens: Wenn ich angefragt werde, sind die jeweiligen Einrichtungsleitungen schon längst auf dieses Thema aufmerksam geworden. In diese Fortbildungen gibt es die Möglichkeit, über das persönliche Normen- und Wertesystem bezüglich Sexualität zu reflektieren. Ich vermittele Begriffe wie passive Sexualassistenz (Aufgabe der Einrichtung) und aktive Sexualassistenz (meine Arbeit). Es geht darum, eine offene, lösungsorientierte Haltung bezüglich Sexualität zu erarbeiten.