Schon Asterix und Obelix hatten dieses Problem mit den Römern: Immer standen sie einem im Weg; immer wollten sie erobern, erobern, erobern. Cäsar, Statthalter der Provinz Gallien, schickte Legionen, um das letzte noch nicht unterworfene gallische Dorf kleinzukriegen. Ohne Erfolg.
Das Geheimnis des Dorfes war – um es militärisch auszudrücken – die Operation Miraculix. Der Druide der Gallier ging mit einer Dreifach-Strategie gegen die Römer vor, der einfach irgendwann jeder erliegen musste. 1. Furchtloses Auftreten auf Augenhöhe, ins Werk zu setzen vom Chef der Gallier. Verhandlungen mit den Römern? Grundsätzlich nur denkbar mit einem Majestix, der von seinen Mannen auf dem Schild getragen wird. Erhabene Pose, den Blick entschlossen nach vorn gerichtet. 2. Einsatz des Miraculix-Zaubertrankes, um die Kräfte der wackeren Gallier ins Unermessliche zu steigern. 3. Rückgriff auf Muskelmasse. Nach der Devise des Obelix: Haut die Römer aus der Rüstung!
Übrigens waren Asterix und Obelix – und all die anderen Gallier – manchmal auch richtig nett zu den Römern. Wenn sie nicht vollends verblödet, gemein oder machtgierig auftraten, wurden die Legionäre auch mal gebusselt – oder sogar zum Essen eingeladen. Wildschweinbraten bei Kerzenschein: Wer kann dazu schon Nein sagen?
Und jetzt haben also wir dieses Problem mit den Römern. Asterix, hilf! Unser Cäsar heißt Benedikt. Und seine Legionäre sind auch nicht viel schlauer, als es die des Gajus Julius Cäsar waren. Obelix pflegte seine Fassungslosigkeit angesichts der römischen Dummheit kopfschüttelnd in die Worte zu fassen: »Die spinnen, die Römer!« »Ja, genau!«, kann man aus heutiger Sicht nur beipflichten.
Doch was machen wir jetzt? Lieber Asterix, sollen wir wieder mal an eine Operation Miraculix denken? Es ist ja noch nicht aller Tage Abend! Furchtloses Auftreten auf Augenhöhe müssen wir denen überlassen, die überhaupt zu Verhandlungen geladen werden: Hans Küng, Karl Lehmann und Robert Zollitsch kriegen von uns auf jeden Fall den schönsten Schild mit, den wir auftreiben können. Dafür erwarten wir hartes Auftreten! Zaubertrank liefern wir gern mit. Ansonsten müssen wir anderen wohl leider, leider der Devise des Obelix folgen: Haut die Römer aus der Rüstung! Das ist – sozusagen – die Strategie von unten. Auch Obelix tat es ja manchmal ein bisschen leid, wenn er wieder mal einen Schwung Römer erledigt hatte. Er war eben ein Mann mit Herz. Aber was half’s? Er konnte die Legionäre ja nicht einfach weitermarschieren lassen.
Aus der Rüstung hauen geht auf zweierlei Weise: 1. Mit Muskelkraft und Entschlossenheit. 2. Im übertragenen Sinne auch mit Charme und Verstand. Ich wähle – mangels Muskelkraft – Variante zwei. Asterix, sei bei mir! Miraculix, gib mir Zaubertrank! Und zwar einen solchen, wie du ihn auch zu brauen verstehst: keinen für mehr Muckis, sondern einen zur Bewusstseinserweiterung. Was ich damit vorhabe? Ich möchte ihn einem ganz besonderen Gast unters Essen mischen.
Wohlan also: Lieber Benedikt, wollen Eure Heiligkeit mal zum Wildschwein-Menü vorbeikommen? Wildschweinbraten kann ich gut! Busseln muss allerdings nicht sein – da sind wir uns sicher einig. Starten Sie Ihr Papamobil! Ich gehe schon mal in die Küche. Dass wir uns danach besser vertragen, kann ich natürlich nicht garantieren. Aber versuchen könnten Sie’s ja mal. Ich warte auf Sie!
von Britta Baas, erschienen in Publik-Forum Ausgabe 3/2009, Seite 33, am 13.2.2009


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