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24. April 2008

Weniger Fleisch essen und Menschenleben retten?

Filed under: Politik & Gesellschaft — Florian Zollmann @ 14:20

Der Konzernkapitalismus ist nicht in der Lage, Nahrungsmittel gerecht unter den Menschen zu verteilen. Das ist schrecklich und sagt eigentlich schon alles über dieses System.

Und nun das: Zur Zeit herrschen Nahrungsmittelkrisen in 37 Ländern! Die Getreidepreise sind wegen erhöhter Nachfrage stark gestiegen. Weizen und Reis waren im März doppelt so teuer wie im vergangenen Jahr. Aber was tun?

Der für die britische Zeitung the Guardian tätige Journalist George Monbiot macht in seinem Blog den Vorschlag: “Wenn dir der Hunger am Herzen liegt, iss weniger Fleisch!” Für Monbiot ist nicht nur die Preissteigerung der Nahrungsmittel durch die erhöhte Nachfrage nach Getreide als Tierfutter ein Problem, sondern auch der enorme Verzehr der Masttiere:

“760 Millionen Tonnen Getreide werden den Menschen weggeschnappt um Tiere zu füttern. Diese Menge könnte das globale Nahrungsmitteldefizit 14 mal decken”.

Und ich möchte noch hinzufügen, dass ein sofortiges Verbot der Herstellung von Benzin aus Getreide und Mais, wie es in den USA skandalös praktiziert wird, ebenfalls ein Beitrag zur Bekämpfung des Welthungers wäre. In einem Bericht von SPIEGEL online bezeichnete der UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, Jean Ziegler, die Herstellung von Biotreibstoffen als “Verbrechen gegen die Menschheit”, da sie die Preise für Lebensmittel in die Höhe treiben und das Leben von millionen Menschen gefährden.

Nach Angaben von Foodwatch sind die Industrieländer und vor allem das EU-Agrarsystem mitverantwortlich für den Hunger und die Zerstörung bäuerlicher Existenzen in der Dritten Welt:

“Die Abschottung von Agrarimporten aus der Dritten Welt und die Zerstörung kleinbäuerlicher Existenzen dort durch steuersubventionierte Billigexporte aus den Industrieländern haben verhindert, dass die ärmsten Entwicklungsländer eine eigene Nahrungsmittelversorgung aufbauen – die Grundlage jeder wirtschaftlichen Entwicklung“.

Nun aber zurück zu George Monbiot. Dieser möchte zwar den Fleischkonsum reduzieren, aber nicht gänzlich darauf verzichten. Und das wäre auch nicht nötig, wenn wir – so Monbiot – seine Rechnung umsetzten: Würden weltweit 30% weniger Fleisch konsumiert, dann wären wir auf einem tragfähigen Level, für alle!

Dennoch erscheint es für Monbiot letztendlich surreal, über Lebensmittelplanspiele nachzudenken: Während die Hälfte der Menschen nicht weiß, wo sie ihr tägliches Brot her bekommen soll, bersten im Westen die Lebensmittelläden aus den Fugen:

“Es ist schwer zu verstehen, wie zwei so verschiedene Nahrungsmittel-Verteilungssysteme den selben Planeten beherrschen können, bis man realisiert, dass diese sich gegenseitig nähren”.

Ist der weitgehende Verzicht auf Fleisch also tatsächlich eine Hilfe gegen den Hunger in der Welt. Bestimmt, wenn Monbiots Rechnung aufgeht. Aber die Lösung ist es noch lange nicht. Jährlich verhungern 8 Millionen Menschen in der Welt – und sie sterben in erster Linie wegen der Arroganz und Profitgier der Reichen des Konzernkapitalismus. Darum ist es längst mehr als angesagt, das System grundlegend zu ändern.

Florian ZollmannFlorian Zollmann ist langjähriger Redakteur bei provo, der Zeitung für junge Leute von Publik-Forum. Er studiert Journalismus in England, dort erforscht er die westliche Presseberichterstattung über die US-amerikanische Nahostpolitik und die Besatzung des Iraks.

 

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