Der Papst und die Indianer
Die Erregung ist groß. Auf das positive Öffentlichkeitsbild des Papstes Benedikt XVI. hat sich ein Schatten gelegt. Ursache sind seine Äußerungen vor den versammelten katholischen Bischöfen Lateinamerikas während seines Brasilienbesuches. Sagte er ihnen doch ganz offiziell, die indianischen Ureinwohner des Subkontinents seien durch die jahrhundertelange christliche Verkündigung keine fremde Kultur aufgezwungen worden. Im Gegenteil: die Indianer hätten die Christianisierung vielmehr »still herbeigesehnt«. Dagegen erhob sich Widerspruch.
Nach Angaben des katholischen Indianermissionsrates (Conselho Indigenista Missionário, CIMI) in Brasilia wurden in Brasilien zwischen den Jahren 1500 und 2001 etwa 1.500 indianische Volksgruppen ausgerottet, d. h., dass Millionen Ureinwohner infolge der von den amtlichen Kirchen unterstützten Kolonisation Lateinamerikas um ihr Leben gebracht worden sind.
Dies geschah entgegen dem Widerspruch vieler Missionare, insbesondere Jesuiten, die in einer Frühform der Befreiungstheologie die Indianer aktiv gegen Übergriffe der Sklavenjäger und gegen den Landraub durch Großgrundbesitzer schützten. Von 1609 bis 1768 existierte großflächig in Paraguay und in Teilen von Argentinien, Brasilien und Bolivien der »Jesuitenstaat« mit seinen Schutzzonen. In ihnen wurden große Überschüsse an Getreide, Zucker, Mate und Baumwolle erwirtschaftet.
Nach 159 Jahren wurden auf Geheiß des portugiesischen Königs die Jesuiten vertrieben bzw. eingekerkert und der Jesuitenstaat zerstört. Offensichtlich vermied es der Papst, mit der Erinnerung an die damaligen sanften Missions- und Entwicklungserfolge der von ihm abgelehnten Befreiungstheologie Aufwind zu geben.
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Harald Pawlowski, langjähriger Chefredakteur, ist Herausgeber von Publik-Forum















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