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Der Kardinal sieht alt aus

Katholikentage kommen und gehen. Was bleibt über die Zeiten? Das Katholische. Doch was ist das Katholische?
»Einen neuen Aufbruch wagen«: Unter diesem Motto läuft der Katholikentag in Mannheim vom 16. bis zum 20. Mai 2012. Der Slogan liest sich rebellisch. Doch die Frage ist: Wie gut schafft es die römisch-katholische Kirche in Deutschland, ihre verkrusteten Strukturen aufzubrechen? Ist noch Leben in der Bude? (Foto: pa/dpa/Uwe Anspach)
»Einen neuen Aufbruch wagen«: Unter diesem Motto läuft der Katholikentag in Mannheim vom 16. bis zum 20. Mai 2012. Der Slogan liest sich rebellisch. Doch die Frage ist: Wie gut schafft es die römisch-katholische Kirche in Deutschland, ihre verkrusteten Strukturen aufzubrechen? Ist noch Leben in der Bude? (Foto: pa/dpa/Uwe Anspach)

»Mein letzter Katholikentag«, sagt der Kollege zu mir. »Im August ist Schluss!« Ruhestand. Sieh an, so alt ist der Kollege schon. Ich überlege kurz: Mannheim ist voraussichtlich mein vorletzter Katholikentag. Dann ist auch bei mir Schluss, jedenfalls beruflich gesehen. Blitzartige Erkenntnis: Ich bin ja auch nicht mehr so jung, wie mich unehrliche Schmeichler noch finden. Danke für diese Erkenntnis.

Katholikentage kommen und gehen, Kolleginnen und Kollegen kommen und gehen. Was bleibt über die Zeiten? Das Katholische. Doch was ist das Katholische? Was für eine Frage, werden die sagen, die immer schon wissen, was die Wahrheit ist. Klar doch: Papst, Bischöfe, Priester, Laien, Frauen – das ist das Katholische, in dieser Reihenfolge. Verbot von eigenständigem Denken, künstlicher Verhütung, Frauenpriestertum und Homosexualität – das ist das Katholische. Und alles ist gleich wahr.

Und wenn man nun nicht alles glaubt, was der Papst in Rom so erzählt? Wenn man manch einen Kardinal oder Bischof nur noch als autoritären Knochen belächeln, aber nicht ernst nehmen kann? Wenn man sich durchaus Frauen am katholischen Altar zur Freude Gottes vorstellen kann? Wenn man die gleichgeschlechtliche Liebe nicht sofort für Teufelszeug hält? Dann, finde ich, ist man auch katholisch – nur eben anders.

Auch das Katholische ist im Wandel begriffen. Früher gehörte es zum katholischen Glauben, den Menschen das Recht auf freie Wahl ihres Glaubens, ihrer Religion abzusprechen. Das hat sich inzwischen geändert. Auch der katholische Glaube ist in einem steten Aufbruch begriffen – veränderte Sichtweisen nicht ausgeschlossen.

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Über alles, also auch über den möglichen und notwendigen Wandel des Katholischen, könne auf dem Mannheimer Katholikentag gesprochen werden, hat Alois Glück, der Präsident des veranstaltenden Zentralkomitees der deutschen Katholiken, zur Eröffnung gesagt. Na prima. Da wird sich Joachim Meisner, der kleine Papst in Köln, sicher wieder mächtig aufregen. Der Kölner Kardinal hält nichts vom freien Dialog über das Katholische. In den Augen dieses zweihundertprozentigen Katholiken ist eine solche Offenheit nichts als ein protestantischer Irrweg.

Doch das respektvolle und mitunter auch konfliktive Gespräch über das, was bewahrt, und das, was verändert werden sollte, ist weder katholisch noch protestantisch – es einfach nur menschlich.

Auch Kardinäle kommen und gehen. Doch leider kommen oft immer wieder die falschen. Sie sehen dann mitunter ganz schön alt aus.

Kommentare
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Paul Haverkamp
29.08.201218:05
Das „Katholische“ ist für mich das „Jesuanische“. Die jesuanische Lebensweise hatte einen klaren Kompass: Solidarität mit den Ärmsten der Armen und Dienst am Menschen. Für ihn war Menschendienst zugleich Gottesdienst“ Wenn Jesus heute sich die Situation „seiner“ Kirche ansehen könnte, würde er vermutlich nur den Kopf schütteln über die Themen, die heute und vermutlich noch auf lange Zeit eine lähmende Stille, eine breite Resignation und Frustration sich über Millionen von kath. Christen gelegt haben. Wer heute glaubt, den Glaubensbestand der kath. Kirche in 2865 Nummern fixieren zu müssen (s. Weltkatechismus), der zeigt einerseits, dass er sich in einem astronomischen Weitenabstand von Jesus von Nazareth befindet und er demonstriert andererseits, dass er kein „aggiornamento“ will, will sagen : ein Ankommen der kath. Kirche in der Gegenwart. Dieses Ankommen ist nur möglich, wenn die kath. Kirche wieder zu den jesuanischen Quellen zurückfindet