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Mehr Energiespar-Wände!

Wie gelingt die Energiewende im Privatleben? Im dritten Beitrag der Publik Forum-Serie zum Thema »Energiewende« geht es um Heizung und Haus. Unsere Leserfrage
In Deutschland werden erst rund zehn Prozent des Wärmebedarfs in Gebäuden ökologisch erzeugt (Foto: fotolia)
In Deutschland werden erst rund zehn Prozent des Wärmebedarfs in Gebäuden ökologisch erzeugt (Foto: fotolia)

Martin Heimers, Bonn-Bad Godesberg: Die Energiewende ist nicht nur eine Angelegenheit der Politik: Wie gelingt der Umstieg privat? Wir haben zum Beispiel die Fenster erneuert. Welche Tipps und Möglichkeiten gibt es noch? Und wovon lässt man besser die Finger?

Markus Dobstadt: Die Energiewende beginnt im Keller. Zum Beispiel in dem des Frankfurters Helmut Littmann. Seit ein paar Monaten steht dort ein grauroter Kasten, der Ähnlichkeit hat mit einem Geldautomat. Er ist natürlich keiner, aber ganz abwegig ist der Vergleich nicht. Denn in dem Kasten befindet sich ein Blockheizkraftwerk, ein Motor, der aus Gas Wärme und Strom produziert.

Heizen und Geld verdienen

Und für den Strom bekommt der 70-jährige Geld. Zum einen erhält er für jede produzierte Kilowattstunde laut Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz 5,11 Cent. Und wenn er den Strom einspeist, bekommt er den gleichen Betrag pro Kilowattstunde noch einmal vom örtlichen Energieerzeuger Mainova. Rund 650 Euro fließen pro Jahr allein dadurch auf sein Konto, hat die Mainova für ihn errechnet. Seine Heizkosten sänken zudem um rund 30 Prozent. Und dadurch, dass er selbst Strom erzeugt, muss er nicht mehr so viel davon einkaufen, auch das spart Geld. Jede bezogene Kilowattstunde kostet rund 20 Cent.

Die Investition von 25000 Euro für die Kraft-Wärme-Kopplung-Anlage wird er dadurch nicht so schnell wieder hereinbekommen. Doch die bisherige Gasheizung in seinem Einfamilienhaus hätte sowieso demnächst erneuert werden müssen. Und hätte er statt des Blockheizkraftwerks eine herkömmliche Heizung angeschafft, die nur Wärme produziert und keinen Strom, dann wäre das nicht viel billiger geworden. Von seiner Entscheidung profitiert zudem die Umwelt. Denn der Wirkungsgrad der Anlage liegt bei 95 Prozent, wie Heizungsbauer Oliver Rögner berichtet. Das heißt, dass 95 Prozent des eingesetzten Gases verwertet wird. Bei Kohlekraftwerken liege der Wirkungsgrad nur bei rund 38 Prozent. Mehr als 60 Prozent der Energie gehen auf dem Weg zwischen Kraftwerk und Endkunden verloren.

Holzpellets oder die Sonne nutzen?

Außer der Kraft-Wärme-Pumpe gibt es weitere Wege, sich umweltfreundlich im Haus mit Energie zu versorgen: Holzpelletheizungen verwenden nachwachsende Rohstoffe, Wärmepumpen nutzen die konstant höheren Temperaturen, die tief unter uns im Boden vorherrschen, um das Wasser zu erhitzen. Und in einem gut wärmegedämmten Haus kann eine thermische Solaranlage bis zu 65 Prozent der Energie einsparen, die sonst für das Brauchwasser aufgewendet wird.

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Der Anteil der erneuerbaren Energien bei der Hausheizung ist insgesamt aber noch gering. Im vergangenen Jahr wurden 9,8 Prozent des gesamten deutschen Wärmebedarfs ökologisch erzeugt. Etwa 140.000 Holzpelletheizungen, 400.000 Wärmepumpen und über 1,5 Millionen Solarthermieanlagen sind in deutschen Häusern installiert.

Eine gute Dämmung ist entscheidend

Wärme zu erzeugen ist das eine, sie im Haus zu behalten, das andere. Dafür sind dichte Fenster und eine gute Wärmedämmung notwendig. Doch es empfiehlt sich, beides zusammen in den Blick zu nehmen. Denn »wenn die Fenster in Punkto Wärmeverlust besser sind als die Wände, kondensiert die Feuchtigkeit an der Wand«, erläutert Uwe Kaska, Energieberater bei der Verbraucherzentrale. »Die Wand saugt die Feuchtigkeit auf«, und wird irgendwann zu schimmeln beginnen.

Entscheidend ist der sogenannte »Wärmedurchgangskoeffizient«, der in einem »u-Wert« (früher k-Wert) angegeben wird. Je niedriger er ist, umso besser. Bei einem dreifach verglasten Fenster liege der heute bei 0,85, sagt Kaska. Eine gedämmte Wand sollte einen u-Wert von 0,25 haben. Die Wand soll im Schnitt viermal besser gedämmt sein als ein Fenster.

Damit alles fachgerecht aufeinander abgestimmt ist, rät er, die Hausdämmung Fachleuten zu überlassen. Sonst könnten teure Folgeschäden entstehen. Für die Sanierung könne der Eigentümer mit Kosten von 120 Euro pro Quadratmeter rechnen, komplett, inklusive Gerüst. »Die meisten meinen, Wärmedämmung sei im Vergleich zur Fenstererneuerung teurer«, sagt Kaska. Dabei sind sehr gute Fenster kostspieliger. Die Preise lägen dort zwischen 400 und 600 Euro - pro Quadratmeter. Es lohne sich, Angebote einzuholen. Wirtschaftlicher als die Fenstererneuerung sei jedoch die Hausdämmung, weil die Fläche weitaus größer ist. Insgesamt könnten durch Modernisierung von Wänden, Fenstern, Kellerdecke und Dach die Wärmeverluste im Haus um rund 60 Prozent reduziert werden.

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