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Die katholische Seelsorgerin

Gertrud Jansen entlastet den Pfarrer in ihrer Gemeinde. Sie hält Wortgottesdienste und übernimmt die seelsorgerische Betreuung bei Beerdigungen. Wie können Frauen in der Kirche an Einfluss gewinnen? Unsere Leserfrage
»Ich denke, ich bereite hier ein bisschen den Weg dafür, um die psychologische Hemmschwelle dafür zu überwinden, dass Frauen in der Kirche Dienst tun können«, sagt Gertrud Jansen, die sich in einer katholischen Gemeinde des Bistums Aachen sehr engagiert
»Ich denke, ich bereite hier ein bisschen den Weg dafür, um die psychologische Hemmschwelle dafür zu überwinden, dass Frauen in der Kirche Dienst tun können«, sagt Gertrud Jansen, die sich in einer katholischen Gemeinde des Bistums Aachen sehr engagiert

Margret Hillers, Frankfurt: Ich bin evangelische Christin und mit einem Katholiken verheiratet. Ich sehe Reformbemühungen in beiden Kirchen. Was können Mitglieder tun, um sie zu fördern?

Publik-Forum nimmt diese Frage einer Leserin zum Anlass, sich mit Aspekten der Reform in der katholischen wie der evangelischen Kirche auseinanderzusetzen. Im fünften Teil der Serie zur Kirchenreform zeigt Gertrud Jansen, dass Frauen mit etwas Mut in der katholischen Kirche auch im Rahmen des geltenden Kirchenrechts viel bewirken können. Allerdings nur, solange sie der Pfarrer lässt.

Die katholische Gemeinde St. Nikolaus in Brüggen, in der Gertrud Jansen mitwirkt, liegt 25 Kilometer westlich von Mönchengladbach, direkt an der deutsch-holländischen Grenze.

Frau Jansen, Sie engagieren sich sehr in Ihrer Kirchengemeinde. Was machen Sie dort?

Gertrud Jansen: Ich bin zum Beispiel beauftragt, Beerdigungen seelsorgerisch zu betreuen. Das ist im Bistum Aachen nichts Ungewöhnliches. Hier gibt es 250 Laien, Männer und Frauen, die beerdigen. Ich habe dafür ein Seminar besucht, das rund ein Jahr dauerte. Wir haben uns alle zwei Wochen getroffen. Der Pfarrer kann nicht mehr alles machen. Daher bietet unsere Gemeinde einmal im Monat statt der Vorabendmesse einen Wortgottesdienst an, den ich drei- bis viermal im Jahr gestalte und leite. Einen Sonntagsgottesdienst gibt es bei uns nicht mehr.Gepredigt habe ich schon früher, auch in Eucharistiefeiern, als es das Verbot noch gar nicht gab. Für Wortgottesdienste besteht dieses Verbot aber nicht.

Sie waren auch lange im Pfarrgemeinderat aktiv, haben sich aber aus Verärgerung nicht mehr aufstellen lassen. Warum?

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Gertrud Jansen: Ich war acht Jahre lang Pfarrgemeinderatsvorsitzende. In den neunziger Jahren ging das los mit den Gemeindezusammenlegungen. Wir wurden zunächst aufgefordert, mit zwei Gemeinden zu einer »Gemeinschaft der Gemeinden«, wie das hier heißt, zusammenzuwachsen. Wir waren mit den anderen beiden Gemeinden auf einem guten Weg. Doch kurz vor dem Zusammenschluss bekamen wir noch drei weitere Gemeinden hinzu. Wir hatten mit denen bislang gar nichts am Hut. Begründet wurde das mit dem Priestermangel. Wir haben angefangen, uns vehement dagegen zu wehren. Dann wurden einzelne Mitglieder des Pfarrgemeinderats, meist in Einzelgesprächen, von dem Pfarrer bearbeitet.Bis alle zugestimmt haben. Ich war schließlich noch als einzige dagegen. Dann habe ich als Vorsitzende zähneknirschend doch unterschrieben. Am meisten hat mich geärgert, dass es in dem Vertrag so aussah, als hätten wir freiwillig zugestimmt. Daraufhin habe ich mich nicht mehr aufstellen lassen.Pfarrgemeinderäte erscheinen mir inzwischen als ein scheindemokratisches Gremium. Die eigentlichen Entscheidungen werden woanders getroffen. Ich arbeite seither mehr in der Seelsorge.

Wie kamen Sie zu Ihrem kirchlichen Engagement?

Gertrud Jansen: Ich war lange bei der Katholischen Jungen Gemeinde aktiv, es war das Gemeinschaftserlebnis, das mich dort gereizt hat. Ich habe mich für ein Amt in der Kirche berufen gefühlt und mich dann bei der Initiaitive Maria von Magdala engagiert, die sich für den Zugang für Frauen zu allen kirchlichen Ämtern einsetzt. Dann habe ich eine dreijährige Ausbildung zur Diakonin gemacht. Zwölf Frauen waren in dem Kurs. Er wurde vom Netzwerk Diakonat angeboten und bot die gleiche Ausbildung, die auch die Männer durchlaufen, nur dass wir eben keine Weihe haben. Die Ausbildung endet mit einem Zertifikat.Nach einen zweiten Kurs gibt es derzeit keinen dritten, weil manchen der Referenten von der Kirchenleitung mit Konsequenzen gedroht wird.

Was war das für ein Gefühl? Sie wollten katholische Priesterin werden, aber Sie konnten nicht? Dachten Sie daran, zu konvertieren?

Gertrud Jansen: Das habe ich zigmal erwogen. Aber das Evangelische ist nicht meins, das ist mir zu verkopft. Ich liebe die Rituale, den Weihrauch. Die andere Alternative ist die alt-katholische Kirche. Aber das kann ich nicht leben vor Ort. Die nächste Gemeinde ist weit entfernt. Und Stellen haben die auch keine. Zudem bin ich bis vor vier Monaten Religionslehrerin in der Grundschule am Ort gewesen. Ich hätte die Missio verloren und nicht mehr unterrichten dürfen. Ich bin hier geboren und aufgewachsen und habe 40 Jahre hier gearbeitet, ich wollte nicht weggehen.

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