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Gesucht: Ein Demokrat und Pharao

Am Ende meiner Woche in Ägypten schwirrt mir der Kopf. Die Revolution im Land Anfang 2011 hat die Tür zu einem Umbruch aufgestoßen, dessen Ausmaß noch schwer zu erfassen ist. Viele Fragen sind offen - auch für mich. Entscheidend ist jetzt: Wer wird Ägyptens Präsident?
Elisabeth Zoll reist bis zum 12. Mai 2012 durch Ägypten. Wenige Tage vor den entscheidenden Präsidentschaftswahlen ist das Land im Ausnahmezustand. Unruhen begleiten die Vorbereitung der Wahl, die Ägypten in die Demokratie führen soll. (Fotos: pa/dpa/Khaled Elfiqi; Pressefoto Zoll)
Elisabeth Zoll reist bis zum 12. Mai 2012 durch Ägypten. Wenige Tage vor den entscheidenden Präsidentschaftswahlen ist das Land im Ausnahmezustand. Unruhen begleiten die Vorbereitung der Wahl, die Ägypten in die Demokratie führen soll. (Fotos: pa/dpa/Khaled Elfiqi; Pressefoto Zoll)

In wenigen Tagen soll in Ägypten ein neues Staatsoberhaupt gewählt werden. Drei Favoriten zeichnen sich in dem 13-köpfigen Bewerberfeld ab: Mohamed Morsy, der Kandidat der Muslimbruderschaft. Abdel Moneim Aboul Fotouh, ein gemäßigter ehemaliger Funktionär der Muslimbrüder, der überraschenderweise jetzt aber von den Salafisten unterstützt wird. Und Amre Moussa, ehemaliger Generalsekretär der Arabischen Liga, dem liberale Kräfte zuneigen. Einer von ihnen soll es richten. Doch was heißt das in einem Land, das Demokratie will und doch auch einen Pharao sucht?

Der Wandel in Ägypten muss tiefer und weiter gehen, als die Mehrheit der Menschen es sich derzeit vorstellen kann. Da muss nicht nur ein gewaltiger Staatsapparat umgebaut und der allmächtige Militärrat in die Schranken gewiesen werden, da stehen alle gesellschaftlichen Kräfte auf dem Prüfstand: die Justiz, die Unabhängigkeit erlernen muss, die Presse, die Gewerkschaften. Sie müssen sich beispielsweise von einer Staatsorganisation in eine echte Arbeitnehmervertretung wandeln. Und nicht zuletzt gilt es auch, die Rolle der Religion im Staat zu definieren.

Neue Strukturen aufbauen - überwiegend mit alten Kräften: Das ist die Herausforderung. Auch wenn auf dem Tahrir-Platz im Zentrum Kairos eine neu Generation den Ton angibt, heißt das noch lange nicht, dass diese Gruppe für die Mehrheit der Menschen steht. Das Land ist bunter, verworrener, differenzierter als Fernsehbilder dies zeigen können.

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Die Konziliare Versammlung der kirchlichen Reformgruppen in Frankfurt/Main. Mit Beiträgen u. a. von: Hans Küng, Susan George, Elisabeth Schüssler Fiorenza /mehr

Doch eines ist klar geworden: Das mutige Aufbegehren gegen das Mubarak-Regime war erst ein Anfang. Es sagt noch nichts über die Fähigkeit aus, Zukunftsvisionen entwickeln zu können - gemeinsam, mit der Bereitschaft zu Kompromissen. Noch bestimmen Maximalpositionen die Debatten. Den schwierigen und langwierigen Prozess des Aushandelns müssen alle politisch Beteiligten noch lernen. Ob ihre Geduld dazu reicht und die der Bevölkerung, die sich nach schnellen Verbesserungen sehnt, ist eine weitere offene Frage.

So wird der Umbau Ägyptens vermutlich in einem Stop-and-Go-Prozess erfolgen, Rückschläge inklusive. Er braucht Zeit, viel Zeit. Minimum eine Generation. Doch Ausstrahlung in den arabischen Raum hat er schon heute. Das große Fernsehduell Ägyptens zwischen den beiden Präsidentschaftskandidaten Moussa und Aboul Fotouh wurde nicht nur auf öffentliche Plätze in Kairo übertragen, es war auch in den Nachbarstaaten ein Quotenbringer. Sie verfolgen die Entwicklungen in Ägypten aufmerksam.

Der Westen ist in der Zuschauerrolle, wenn auch nicht ganz freiwillig. Doch Ratschläge aus europäischen Hauptstädten sind bei der jungen Garde Ägyptens nicht gefragt. Ihnen ist allzu bewusst, wie lange der Westen an der Seite Mubaraks war. Die Revolutionäre fordern neue Spielregeln im Umgang miteinander. Zu hoffen ist, dass sie diese auch selbst beherzigen.

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