Das Signal der Piraten
Erschreckt und einigermaßen ratlos starren Politiker auf die neuesten Umfragen: Die Piratenpartei liegt derzeit bei zwölf Prozent. Wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre, würden siebzig Piraten das Parlament entern und dort die drittstärkste Fraktion bilden. Damit liegt die neue Partei jetzt weit vor der FDP, der Linken und auch vor den Grünen.
Woher kommt diese gewaltige Zustimmung für die junge Gruppierung mit dem schrillen Namen? Wie können sich nur so viele Wähler für eine Partei aussprechen, deren Programm mit wenigen Schlagworten wie »Transparenz« und »freies Internet« hantiert und noch nicht mal fertig erarbeitet ist? Dass die Piraten weder als Bürgerschrecke noch als politisch Verwirrte, sondern durchaus freundlich und gebildet daher kommen, macht den Umgang mit ihnen nicht leichter. Haben wir denn nicht ohnehin schon zu viele Parteien, die sich um die politische Mitte prügeln?
Piraten wollen Mitbestimmung, direkt und spontan
Wer so fragt, übersieht, dass Parteien nicht nur politische Programme und Ziele, sondern immer auch ein Lebensgefühl und ein Milieu repräsentieren. Die »Generation 2.0«, die von Kindheit auf durch das Internet geprägt ist und damit eigene Kultur- und Kommunikationsformen entwickelt hat, findet sich in den Ritualen und Prozeduren der etablierten Parteien nicht wieder. Diese jungen Leute haben durchaus Interesse an Politik, sie wollen mitdiskutieren und mitgestalten. Doch sie wollen sich dafür nicht jahrelang in miefige Wirtshauszimmer setzen, Marken in Parteibücher kleben, Wahlkampfbroschüren verteilen und die politische Ochsentour antreten. Nein, sie wollen mitbestimmen, spontan, direkt und so, wie sie es gewöhnt sind: per Mausklick und digitaler Kommentarfunktion. Das geht nur bei der Piratenpartei.
Bei aller gebotenen Skepsis gegenüber dem politischen Profil, das die Piraten ja erst noch entwickeln müssen, ist ihr Erfolg auch als Signal zu werten: als junge kreative und basisorientierte Erneuerungsbewegung in einer abgehobenen, verkrusteten Parteienkultur.
